PAN's SCHATTEN

Paradies und Hölle auf einer fantastischen Insel

Die Geschichte von Peter Pan erzählt von der Sehnsucht nach einer ewigen Kindheit, unendlichem Spiel und der Vorherrschaft der Phantasie. Diese Wünsche haben eine Kehrseite: Mit seinem Schatten sucht Peter Pan auch nach seiner Vergangenheit, seiner Identität.

Die Spieler*innen (Expert*innen psychischer Ausnahmezustände) suchen unter der Regie von Daniel Wahl, der Ausstattung von Viva Schudt, der Dramaturgie von Ann-Marie Arioli und der Gesamtleitung von Nina Hesse nach ihren persönlichen Verbindungen zur Geschichte. Sie kreieren eine Welt traumartiger Szenen zu Wünschen und Ängsten.

Regie: Daniel Wahl
Ausstattung: Viva Schudt
Dramaturgie: Ann-Marie Arioli
Musik: Benjamin Brodbeck
Gesamtleitung: Nina Hesse Bernhard
Schalktheater, in Koproduktion mit: Kulturmarkt Zürich

Premiere: 23.10., 20:00

Feedback 

Prof. Dr. Günther Wüsten

Eidg. anerk. Psychotherapeut

Dipl. Sozialpädagoge FH

 

Theater pur, ohne wenn- und aber gespielt von Menschen, die sonst in der Gesellschaft als schwer erreichbar gelten, mit mehrfach Diagnosen, viele davon chronisch, belegt sind. Therapie auf der Bühne? Nein absolut nicht! Nicht privat, sondern echt und direkt die Geschichte von Pans Schatten erzählt, von Menschen mit verletzlicher Geschichte.

 

Es gibt zwei Ebenen das Stück anzuschauen. Einfach als Aufführung. Theater sehen, dass berührt, weil es ein Stück eigne Geschichte erzählt. Begegnung ermöglicht, weil ich als Zuschauender erleben kann, was die Figuren erleiden, erleben oder sie freut. Weil es mir selber bekannt vorkommt. Es gelingt, weil die Spielenden in einer unverblümten Weise direkt und unverstellt sind. Und ich mich von der Frage berühren lasse, wann habe ich meinen Schatten verloren? Wie war das? Konnte ich darüber sprechen? Wie habe ich ihn wiedergefunden? Verletzlichkeit ist nicht einer bestimmten Gruppe oder Diagnose vorbehalten, sondern eine grundlegende Erfahrung. Angst haben nicht nur die andern, ich selber kenne sie aus mir. In Pans Schatten ist vieles enthalten, leises und lustiges. Und als Zuschauer sehe ich viel bewegendes und viel Bewegung.   

 

Ich hatte das Glück auch die Proben anzuschauen. Die Arbeit unterschied sich in nichts von einer Probe mit professionellen Schauspielern. Die Arbeit war damit orientiert am echten Interesse des Gegenübers, seinen Möglichkeiten, seiner Ausdruckskraft, seiner Energie und Bewegungsfähigkeit. In den Proben sind die Spielenden gefordert in den Bereichen Raumwahrnehmung, Koordination, Flexibilität, emotionale Resonanz. Jede und jeder erhielt eine eigne individuelle Präsenz, Raum und eignen Ausdruck.

 

In Psychotherapie und Behandlung geht es vielfach um die Wiederherstellung von Flexibilität, Verbesserung von Wohlbefinden, Stärkung des Selbstwertes. Im Theater war als dies nie ein Thema, es wurde einfach gemacht. Es wurde nicht gefragt wie man das erreichen kann, sondern es wurde mit Flexibilität und dem Potential des Selbst gearbeitet. Es blieb gar keine Zeit das Selbst infrage zu stellen, es wurde einfach akzeptiert und gefordert. In dem Sinne war die Arbeit extrem untherapeutisch, vielleicht ist gerade dass das heilende Potential von den einzelnen auszugehen, ohne Vergleich ganz ohne Norm, sondern als Teil einer Gruppe. Man könnte sagen, dass sei partizipativ. Aber irgendwie schien das nicht einmal mehr nötig es zu erwähnen. Es war einfach so.

 

In meinen Augen ein Theaterstück, eine Gesellschaftsutopie und ein Beispiel dafür zu staunen wieviel Kraft in jedem einzelnen steckt, wenn erlaubt wird dieser Kraft zu vertrauen. 

 

Herzlichen Dank für dieses Stück, dass möglichst viele sehen sollten, weil es die Kategorien unseres Denkens sprengt.

 

Günther Wüsten

Fachhochschule Nordwestschweiz

Institut Soziale Arbeit und Gesundheit

 

Prof. Dr. Günther Wüsten

Eidg. anerk. Psychotherapeut

Dipl. Sozialpädagoge FH